Persönlichkeitsprofile: Das richtige Modell auswählen

Das richtige Persönlichkeitsprofil auswählen

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Sich orientieren auf einem bunten und vielfältigen Markt

Gastbeitrag von Markus Brand, Institut für Persönlichkeit

 

21 etablierte und fundierte Tools – endlich geordnet

Der Trainerlotse:
Der Markt der Persönlichkeitsprofile ist ja reichlich unübersichtlich. Wie viele gibt es eigentlich?

Markus Brand:
Genau weiß das niemand, denn der Begriff Persönlichkeitsprofil ist weit dehnbar. Wenn Du alle „selbstgestrickten“ Profile einrechnest, sind es vermutlich ein paar Tausend. Schaust Du Dir nur die testtheoretisch und wissenschaftlich fundierten an, sind wir immer noch im dreistelligen Bereich.

Wenn Du nur noch solche nimmst, die moderne Zertifizierungen ermöglichen und die außerdem Trainingsunterlagen sowie einen ansprechenden Support für Trainer und Coaches anbieten, bleiben weniger als hundert übrig.

 

Der Trainerlotse:
Das klingt unübersichtlich. Gibt es eigentlich eine Übersicht über die maßgeblichen, wissenschaftlich anerkannten Verfahren?

Markus Brand:
So eine Übersicht hat lange gefehlt. Einen guten Einblick bekommt man auf HR-Messen wie der „Zukunft Personal“.

Ein solcher Besuch ist jedoch sehr zeit- und kostenintensiv. Deshalb hatten wir die Idee, der HR-Szene eine Übersicht in Buchform anzubieten. Herausgekommen ist das „Handbuch der Persönlichkeitsanalysen“, in dem 21 etablierte und fundierte Tools vorgestellt werden. Über die buchbegleitende Webseite findest Du auch Schnupperangebote, um die Tools einmal selbst auszuprobieren.

Handbuch der Persönlichkeitsanalysen

Markus Brand hat 2015 zusammen mit Frauke Ion und Sonja Wittig das „Handbuch der Persönlichkeitsanalysen. Die führenden Tools im Überblick“ herausgegeben. Es ist im Gabal-Verlag erschienen und kostet 59,90 Euro.

Warum, wofür, womit: Profile einordnen

Der Trainerlotse:
Woran erkenne ich als Trainer oder Coach, welches Profil am besten zu mir und meiner Arbeitsweise passt? Gibt es dafür schlüssige, allgemein gültige Parameter?

Markus Brand:
Entscheidend ist die Persönlichkeitsebene, auf der ich mit meinen Kunden arbeiten will. Darauf aufbauend lassen sich die verschiedenen Profile in vier Kategorien einteilen. In unserem Buch haben wir daraus das „Zwiebelmodell der persönlichen Identität“ entwickelt, angeregt von den logischen Ebenen nach Robert Dilts. Unser Modell beschreibt diese vier Kategorien und hilft bei der Entscheidung, wie ich mit meinen Klienten arbeiten möchte.

 

Der Trainerlotse:
Warum habt ihr euch für das Modell einer Zwiebel entschieden?

Markus Brand:
Beim Menschen wie bei der Zwiebel ist der Kern etwas sehr Entscheidendes, da es sich auf alle anderen Schichten auswirken kann. Aus einem Schalottenkern wird keine große Gemüsezwiebel. Doch beim Menschen wie beim Gemüse sehen wir von außen nur die äußere Schicht bzw. Schale. Ein weiterer Grund ist die Veränderbarkeit. Die äußere Schale ist leicht schälbar, beim Menschen entsprechend leicht änderbar. Das ist beim Kern schon ganz anders.

Nun etwas mehr zu den Schichten und den entsprechenden Persönlichkeitsanalysen:

Zeitstabile Motive aufdecken
Wenn ich mit meinen Kunden über ihren Kern, also die tiefen, zeitstabilen Motive reden möchte, sind Motivanalysen die erste Wahl. Hier sind die Forschungsergebnisse von Steven Reiss maßgebend. Er hat daraus das „Reiss Motivation Profile“ entwickelt, das die 16 Lebensmotive von Menschen erhebt und visualisiert.

Dynamische Wertesysteme erkennen
Möchten Trainer eher an Wertesystemen, Motti oder Glaubenssätzen von Menschen, Teams oder Organisationen arbeiten, sind Verfahren wie das „9 Levels of Value System“ die richtige Wahl. Werte können sich ändern, nicht nach einem Training / Coaching, wohl aber durch einen längeren Prozess wie in der OE oder PE üblich.

Verhaltenspräferenzen ausmachen
Besonders bekannt und verbreitet ist die Arbeit mit den Persönlichkeitsanalysen, die Verhaltenspräferenzen messen. Hier sind Tools wie „DISC/DISG“, „Insights Discovery“, „Persolog“, „MBTI“ und andere zu Hause. Zumeist basieren Sie auf C.G. Jung, der bspw. die Begriffe Intro- und Extraversion populär gemacht hat.

Charisma und Wirkung stärken
Geht es um die äußere Schicht, die Schale des Menschen, ist eine Charisma- und Wirkungsanalyse die beste Wahl. Die „S.C.I.L. Strategie“ erfasst dazu die sprachliche, die intellektuelle, die emotionale und die körpersprachliche Wirkung von Menschen.

Zusammengefasst unterscheiden sich die meisten Tools in der Fragestellung (im Zwiebelmodell von innen nach außen): WARUM mache ich etwas? WOFÜR bin ich unterwegs? WOMIT erreiche ich meine Ziele? Und WIE mache ich das konkret?

Aus diesem Grund setzen laut einer aktuellen Studie der Zeitschrift „Training aktuell“ 25 Prozent aller Trainer nicht nur ein Profil ein, sondern zwei oder mehr.

In der gleichen Studie lässt sich ablesen, welche Tools in Deutschland bekannt und verbreitet sind. Das ist deshalb spannend, weil die Verbreitung ebenfalls ein Entscheidungskriterium sein kann. Wer sich bei mir kurz meldet, kann gerne mehr über die Studie von mir erfahren.

Erst mit der begleitenden Beratung wird ein Test sinnvoll

Der Trainerlotse:
Sind Persönlichkeitsprofile überhaupt noch zeitgemäß? Schließlich sind die meisten Profile schon recht lang auf dem Markt. Da könnte man ja vermuten, dass sie auf älteren Erkenntnissen, z. B. aus Psychologie, Soziologie und Statistik basieren?

Markus Brand:
Nur weil etwas alt ist, muss es ja nicht gleich falsch sein. Tatsächlich aber hat sich die Auseinandersetzung mit Persönlichkeitsprofilen über die Zeit hinweg professionalisiert. Zu Beginn der Persönlichkeitspsychologie wurden die verschiedenen Facetten der Persönlichkeit weniger stark differenziert. Den Anfang hat übrigens Hippokrates rund 500 v. Chr.gemacht. Er unterschied seine Mitmenschen grob in die vier Typen Melancholiker, Choleriker, Phlegmatiker und Sanguiniker.

Glücklicherweise ist die Forschung vorangeschritten. Die nächsten Entwicklungswellen befassten sich mit der Unterscheidung von Motiven und Werten. Diese sind nämlich nicht immer kongruent. Ein Mensch etwa, der führt (Verhalten), muss dies nicht unbedingt gerne tun (Motive). Statt Spaß sind oftmals Status oder Ehre die Motivation für Führungsarbeit. Mit Blick auf das aktuelle Wertesystem lässt sich außerdem klären, ob für die Führungskraft eine Atmosphäre der Partnerschaft anstrebt, Erfolg, Sicherheit oder Unabhängigkeit.

Die Profile haben sich in den letzten Jahren natürlich weiterentwickelt, vor allem ist aber die Qualität der begleitenden Beratung gestiegen. Dank neuer Trainings-Werkzeuge und Übungen sowie spezifischer Fortbildungen ist die Wirkungskraft für Teamentwicklung, Coaching oder Organisationsberatung heute deutlich höher. Und natürlich ist hier auch die Digitalisierung nicht zu übersehen. Es gibt tolle Online-Fragebogen, Apps, Profil-Sharing-Möglichkeiten und vieles mehr.

Die Arbeit mit Profilen setzt eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens voraus

Der Trainerlotse:
Wo kann man Profile gut einsetzen und wo liegen die Grenzen?

Markus Brand:
Die meisten Profile unterscheiden drei unterschiedliche Sichtweisen. Erstens: Wer bin ich? Zweitens: Wer bist Du? Drittens: Wer sind wir? Ihre Einsatzgebiete liegen überall dort, wo diese Fragen geklärt werden sollen.

Auf der INTRApersonellen Ebene geht es häufig um Karriereberatung, Einzelcoaching, Work-Life-Balance und anderes mehr. Auf der INTERpersonellen Ebene liegen die Schwerpunkte vor allem bei Führungskräftetrainings, Team-Building, Personalauswahl, Vertriebs-, Kommunikations- und Konflikttrainings.

Persönlich finde ich Paarberatungen sehr spannend, sowohl bei Liebespaaren wie auch bei Geschäftspartnern. Neulich erst hat die Mutter einer Verlobten diese wie auch den zukünftigen Schwiegersohn zu mir geschickt. Ob sie später tatsächlich geheiratet haben, verrate ich jetzt aber nicht.

Und ja, es gibt auch Grenzen. Selbst seriöse Profile sind dann nicht sinnvoll, wenn beim Ausfüllen mit hoher Wahrscheinlichkeit gelogen wird. Selbstaussageanalysen brauchen Vertraulichkeit und Ehrlichkeit beim Ausfüllenden.

Wenn der Teilnehmer Angst haben muss, dass die Ergebnisse gegen ihn verwendet werden, wird er nicht ehrlich antworten. Im Umkehrschluss heißt das: In den Firmen muss es eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens geben.

Aus dem gleichen Grund ist der Einsatz dieser Tools bei der Personalauswahl kritisch zu betrachten. Etwas besser stellen sich interne Development Center, denn hier geht es weniger um das „Ob“ als um das „Wie“ in der Karriere.

Lizenzgeber auswählen: wissenschaftliches Fundament, Service und Support

Der Trainerlotse:
Viele Trainer äußern Zweifel im Hinblick auf Validität und Reliabilität verschiedener Profile. Wie ist das Deiner Erfahrung nach: Halten die Profilanbieter, was sie in der Vermarktung versprechen oder tue ich als potenzieller Käufer bzw. Lizenznehmer gut daran, vorsichtig zu sein, und mich ggf. von Dir beraten zu lassen, ehe ich mich entscheide?

Markus Brand:
Die Wissenschaftlichkeit ist ein wichtiges Kriterium und sollte ein entscheidender Faktor sein. Wenn die Ergebnisse nicht fundiert sind, sollten sie auch nicht Grundlage der Arbeit sein.

Die Nachweise verbergen sich zumeist in Zahlenwerken, zu denen viele Trainer unserer Branche keinen Zugang haben und sich deshalb nicht trauen, nachzufragen.

Hier eine Mini-Orientierung: Sowohl Reliabilität („Wie gut messe ich etwas?“) wie auch Validität („Was messe ich hiermit?“) sollten auf einer Range von -1.0 und +1.0 liegen. Ich empfehle stets, sich vor einer Zertifizierung oder dem Kauf einer Lizenz die wissenschaftlichen Studien schicken zu lassen – nicht, um sie zu lesen, sondern um zu erfahren, ob es sie gibt.

Die Objektivität ist bei allen Verfahren zumeist gegeben, weil die Befragungen online erfolgen und von einer Software unabhängig von menschlicher Interpretation ausgewertet werden.

Für die Auswahl eines Lizenzgebers gibt es noch ein weiteres Kriterium: Wie sehr zeigt er sich daran interessiert, mich auch nach einer Zertifizierung zu unterstützen? Wer bietet regelmäßige Fortbildungen an wie regionale Netzwerktreffen, Konferenzen oder Unterstützung bei der eigenen Akquise?

Je besser der Support, desto leichter fällt es mir, das Gelernte in meinen Alltag zu integrieren und erfolgreich meine Kunden zu unterstützen. Unter der Voraussetzung sind die Investitionen der Ausbildung sehr schnell wieder eingespielt. Also Augen auf bei der Auswahl des Tools, aber auch bei der Auswahl des entsprechenden Ausbildungsinstituts!

Testangebot für Leser des Trainerlotsen-Blogs

Als Leser dieses Blogs können Sie mit dem Stichwort „Trainerlotse“ beim Institut für Persönlichkeit einzelne Persönlichkeitsanalysen mit einem Rabatt bis zu 200 Euro für sich selbst ausprobieren.

Markus Brand

Markus Brand ist Leiter des Instituts für Persönlichkeit. Er ist selbst ausgebildet für den Umgang mit den verschiedensten Verfahren und bildet in Deutschland persönlich zum Reiss Motivation Profile Master wie zum 9 Levels Berater aus .

 

Über den Autor
Die Trainerlotsen

Die Trainerlotsen

Angelika Eder & Manfred Meyer sind die Trainerlotsen aus Hamburg. Sie beraten Trainer, Berater und Coachs bei der Kundengewinnung und -bindung. Von der Positionierungsberatung über die Vermarktungsstrategie bis zur Übernahme von Dienstleistungen im Vermarktungsprozeß reicht ihr Portfolio. Ihr Motto: Da geht noch was!

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