„Seminarathon“ – und kein Ende?

Angelika Eder Profilierung 3 Comments

Wie sich Trainer, Berater und Coachs gegen einen Burnout schützen können

„Ich bin selbständig“, sagen Jungunternehmer voller Stolz. Die ersten Jahre vergehen wie im Rausch: Junge Trainer treffen großartige Menschen und entdecken sich neu. Im Business ist noch nicht alles perfekt, aber nun: Aller Anfang ist schwer, nicht wahr? Was soll man erwarten!

Ein paar Jahre später ist die Begeisterung dahin. Hoffnungen sind unerfüllt geblieben, vor allem die, dass irgendwie alles besser wird. Das Geschäft ist weiterhin mühsam, die Auftragslage alles andere als stabil.

Vorsicht vor dem „Seminarathon“

Längst hat sich das eingestellt, was ich „Seminarathon“ nenne: Die Finanzdecke ist zu dünn, um Aufträge abzulehnen. Also nimmt der Trainer mit, was kommt. Auch wenn der neue Auftrag nicht gerade toll ist: Er zahlt die Miete.

Ein gefährlicher Weg! Aufträge, die keine Freude machen, ziehen Sie weiter bergab: Weil Sie mit sich und dem Auftrag uneins sind, leidet Ihr Selbstwertgefühl. Welchen Wert schaffen Sie für Ihre Kunden? – Mit der Zeit wissen Sie das selbst nicht mehr. In einer solchen Situation ist es fast unmöglich, standfest ein wirklich gutes Honorar  zu verlangen. Intuitiv senken Sie es weiter ab oder lassen sich auf unbezahlte Zugeständnisse ein. Der Burnout ist dann nicht mehr weit.

Veränderung tut not, so viel ist sicher. Doch wohin soll es gehen? Das Alte funktioniert nicht mehr, das Neue ist noch nicht da. Monika Birkner hat gerade sehr schön darüber geschrieben.

Raus aus der Falle

Die Veränderung beginnt im Kopf

Bitte beobachten Sie sich selbst: Wohin zieht es Sie wirklich? Was macht Ihnen Freude? Folgen Sie Ihrem Gefühl und analysieren Ihre vergangenen Aufträge zugleich rational: Welche Jobs sind für Sie lukrativ? Welche Aufträge zehren an Ihrer Energie, sind weder strategisch noch kurzfristig sinnvoll?

Wenn Sie Ihre Aufträge nach Honorar, Freude, Folgegeschäft und Empfehlungen sortieren: Welche Aufträge stehen dann an der Spitze? Dort sollten Sie Ihren Fokus setzen.

Im Sprint

Sobald sich für Trainer, Berater und Coachs eine neue Perspektive auftut, ändert sich sofort die Ausstrahlung. Das habe ich schon oft erlebt: Es gibt wieder ein Ziel, das den Einsatz lohnt. Sie richten sich auf und entwickeln neue Kraft. Sie ändern ihr Mindset und werden vom Getriebenen zum Treiber. Bitte überlegen Sie:

  • Welche Negativbilder halten Sie auf?
    Außerordentlich verbreitet ist eine negative Haltung zum Verkauf oder der Glaube, Kunden wollten in erster Linie ein geringes Honorar.
  • Welche Bremsen können Sie lösen?
    Versuchen Sie, sich Luft zu verschaffen: Welche Aufgaben können Sie abgeben? Welche ToDos können Sie gleich von der Liste nehmen, weil sie Sie nicht weiter bringen? Welche Ausgaben können Sie streichen?
  • Werden Sie vertrieblich aktiv
    Telefonakquise ist eine Möglichkeit, jedoch nicht die einzige. Ebenso können Sie gezielt Ihr Netzwerk erweitern, Ihre ehemaligen Kunden reaktivieren oder eine anlassbezogene Kampagne starten. Die Möglichkeiten sind vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Auf der Mittelstrecke

Wenn das Geschäft wieder Fahrt aufnimmt, ändern Sie Ihre Vertriebsstrategie: Erhöhen Sie Ihr Honorar, wählen Sie Ihre Kunden sorgfältig aus und sprechen Sie sie gezielt an. Spätestens jetzt sollten Sie nicht mehr alles selbst machen: Fokussieren Sie sich auf die Dinge, die Sie gut können und gerne tun.

A la longue, im Marathon

Auf der langen Strecke kommt es darauf an. Ihre Persönlichkeitsmarke auf- und auszubauen. Worin sind Sie Spezialist? Schreiben Sie ein Buch, betreiben Sie PR oder entwickeln Sie ein Signature System, in dem Ihre unverwechselbare Handschrift das Wie und Warum Ihres Tuns bestimmt.

Freude an Ihrer Arbeit: Besser für Sie und die Welt

Freude an der Arbeit? – Das scheint vielen noch ein ungeheuerlicher Luxus. Doch bedenken Sie: Nur aus der Freude schöpfen Sie die Kraft, um Ihr Geschäft mit Nachdruck voranzutreiben. Zugleich bin ich davon überzeugt, dass jeder das tun sollte, was er am besten kann. Dann nämlich ist der Gewinn für alle am größten. Wenn Sie herausragende Leistungen für Ihre Kunden erbringen, kommen Ihre Kunden voran. Das ist gut für Sie, Ihren Kunden und die Kunden Ihres Kunden. Sehr gute Leistungen setzen sich weit über das eigene Gesichtsfeld fort.

Haben Sie Mut und vertrauen Sie Ihrer Leistung: Es gibt Unternehmen und Menschen, die Sie brauchen. Das Problem ist nicht Ihre Arbeit, sondern dass zu wenig potentielle Kunden von Ihnen wissen oder Ihr Angebot nicht verstehen. Beides bekommen Sie mit einer Selbstklärung und guter Kommunikation in den Griff. Und das ist kein Hexenwerk. Versprochen!

Über den Autor
Angelika Eder

Angelika Eder

Angelika Eder ist die Frau für die gute Kundenansprache. Aus schnöder Akquise wird bei ihr stets ein ‚akustischer Hingucker‘: Einfallsreich, niemals platt und respektvoll-hartnäckig. Entweder man (frau) traut es sich danach selbst zu oder legt die Direktansprache in ihre Hände. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung und Marktkenntnis findet sie mit Ihnen ‚Ihren‘ Platz im Trainer-, Berater- und Coach-Markt.

Kommentare 3

  1. Liebe Angelika,
    so ein schöner und vor allem wahrer Artikel. Ich kenne so Seminar-Marathons auch und dann bin ich erstmal durch. Ich habe doch mittlerweile gelernt, mich wieder zu erholen und fit zu werden. Blöd ist nur, wenn ein Selbständiger aus dem Druck heraus alles annimmt. Ja, da gibt es für uns Selbständige viel zu lernen.

    Liebe Grüße
    Brigitte

    1. Angelika Eder Post
      Author

      Liebe Brigitte,
      vielen Dank für Deine Zustimmung. Du als Schlafexpertin weißt ja besonders gut, wie viele Menschen sich im Hamsterrad drehen und nur schwer herausfinden. Für vielreisende Trainer, Coaches und Berater gilt das mindestens genauso. Ich habe es offen gestanden immer bewundert, wie diese Zunft es schafft, morgens im Hotel immer wieder aufzuwachen und sich dem Galopp hinzugeben. Frei nach dem Motto: ‘Wo bin ich? Bitte keine Details, die Stadt reicht.’ Ich hätte das nie geschafft und so verwundert es nicht, dass unsere Kunden einen Wunsch immer wieder äußern: Bitte nicht mehr so viel reisen! In diesem Sinne wünsche ich Dir, liebe Brigitte und allen Lesern wunderbare, REGIONALE Wunschkunden – und erholsame Feiertage!

  2. Liebe Angelika,

    das ist ein sehr wichtiger und kluger Artikel. Denn dieses Phänomen, für das du einen so treffenden Namen gefunden hat, sollte in seinen langfristigen negativen Auswirkungen nicht unterschätzt werden. Du hast die Negativspirale sehr schön beschrieben.

    Das Motto “Die Veränderung beginnt im Kopf” kann ich nur unterschreiben. Eine Möglichkeit kann sein, bestehende Aufträge nach den Kriterien, die du genannt hast, zu analysieren. Eine andere Möglichkeit kann sein, einfach mal zu überlegen, was man denn gern machen würde, wenn man freie Wahl hätte. Denn es gibt ja immer neue Entwicklungen und damit auch neue Chancen.

    Und dann das passende Marketing dazu:-). Und die Spirale kann in die andere Richtung gehen.

    Viele Grüße
    Monika

    PS: Danke schön für die Erwähnung.

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