Am Anfang fanden Kunden die Telefonakquise richtig toll.

„Hör mich doch mal an!“ Deine Akquise

Angelika Eder Kaltakquise Leave a Comment

Einst als kundenorientiertes Tool gepriesen, heute verrufen: eine Moritat von Deiner Akquise

  • Die Telefonakquise – eigentlich offen für Austausch und das ehrliche Gespräch.
  • Gier war ihr Ruin. Aber muss das so sein?

Begleiten Sie mich bei einem ungewöhnlichen Gedankenexperiment? Dann los! Wie wäre es, wenn die Akquise sprechen könnte? Was würde sie sagen? Mir? Ihnen?

Hören wir mal rein. Aber – psssst – leise! Sie ist gerade ziemlich deprimiert.

Hallo, ich bin’s, Deine Akquise

Hallo, ich bin‘s. Du weißt schon, diese …. ach so Eiskalte. Das ungeliebte Kind. Dieses Monster unter Deinem Bett, das Dir jedes Mal schlechte Träume beschert, wenn kurz vor dem Einschlafen noch mal der Gedanke aufblitzt, dass Du bald mal wieder …. dringend … ganz dringend … ch-ch-ch- zzzzz – pffffff …

Ich bin echt traurig, weißt Du. Keiner mag mich. Na gut, nicht keiner. Fast keiner. Ein paar wenige gibt es schon, die mich nicht gleich angeekelt von der Bettkante stoßen. Aber es sind wirklich nur sehr, sehr wenige. Die meisten strafen mich mit Verachtung. Sogar Verkäufer, die doch eigentlich meine besten Freunde sein müssten.

Hinter vorgehaltener Hand schimpfen sie auf mich. Sie denken, dass ich gar nicht da bin und sie nicht hören kann. Wenn die wüssten! Ganz verrückt ist es auf Messen oder Vertriebstagungen, wenn sie als Kollegen zusammenkommen: Da stehen irgendwelche angeblich sch…erfolgreichen Vertriebstrainer als Key Note Speaker auf der Bühne und lobpreisen meine Heldentaten und wie ich – glorreich und unschlagbar – soundsoviele Neukunden pro Zeiteinheit ins CRM spüle.

Dabei weiß ich ganz genau, dass mir eben diese Speaker vor die Füße spucken, sobald sie von der Bühne steigen. Heimlich denken sie: „Was bin ich froh, dass ich so ein gutes Social Media Marketing habe – dann brauche ich Dich ja nicht.“ Schnüff …

Unschuldig wie ein Kind …

Dabei kann ich gar nix für meinen schlechten Ruf. REIN GAR NIX! Ich bin so rein und unschuldig auf die Welt gekommen wie ein Flyer oder das Telefonbuch. Total neutral!

Im Schlepptau meiner älteren Geschwister, dem Werbebrief, der Anzeige oder dem Plakat, hatte ich sogar einen ganz tollen Start! In meinen Anfängen war ich etwas ganz Neues – ein Vertriebsinstrument, mit dem es erstmals möglich war, mit Kunden oder Interessenten direkt ins Gespräch zu kommen.

Was wurde ich dafür gelobt und bewundert! Meine Güte, ENDLICH die Chance, nicht nur zu raten oder zu schätzen, was Kunden so denken und wollen, sondern sie direkt zu FRAGEN – hach, damals galt ich noch als bahnbrechend und war der Dernièr Cri des Marketings.

Entsprechend schnell fand ich Freunde. Anfangs war das großartig: Gemeinsam haben wir den Markt erobert und tolle Kampagnen gemacht. Gewinnspiele, zum Beispiel, bei denen man Autos gewinnen konnte, wenn man irgendwo anrief. Tausende haben mitgemacht. Oder Umfragen. Die waren der Renner, weil die Kunden einmal wirklich los werden konnten, was sie von einem Produkt XY halten oder wie sie sich dieses und jenes wünschen. Zu Beginn waren die noch richtig dankbar! So demokratisch fanden sie mich: So schnell und direkt. Glory times!

… und dann zur Hure gemacht

Und dann kamen sie: die Gewinngierigen. Die Geier, die auf den schnellen Umsatz aus sind. Erst waren es nur wenige. Dann wurden es mehr und schließlich sind sie in Horden über mich hergefallen.

Sie haben Call Center gegründet, in denen Studenten, Hausfrauen oder Mütter in Teilzeit arbeiteten. Das ging ja noch. Dann aber mussten die Margen noch einmal ausgequetscht werden – und damit die so genannten „Agents“, also die, die am Telefon sitzen. Pah, was für ein hochtrabender Titel für die armen Geknechteten, mit denen ich ab da mein Dasein fristen musste. Oft schuften sie unterhalb des Mindestlohns und unter unwürdigsten Arbeitsbedingungen.

Sie taten mir leid. Ich ihnen auch – aber darauf wurde keine Rücksicht genommen. Immer mehr wurden meine Möglichkeiten strapaziert, meine Vorzüge überdehnt. Heute denken die meisten: „Akquise? Gar kalt? Um Gottes Willen, bloß nicht, da blamiert man sich ja bis auf die Knochen!“

Ja, so war das. Spätestens ab da war es um mich geschehen. Ich war ruiniert, komplett desavouiert … Die so genannten Call Center-Profis haben mich organisiert zugrunde gerichtet, geschändet, vermurkst und mich schließlich völlig zerrüttet dem Markt zum Fraß vorgeworfen. Da, schaut sie Euch an, diese Hure der schlechten Verkäufergesellschaft! Oh, ich Elende!

Das Ende vom Lied

Verstehst Du mich jetzt, Du Mensch, der Du etwas zu verkaufen hast? Hast Du jetzt eine Ahnung, wie es mir geht in diesem Land, in dem das Verkaufen und erst die Akquise „pfui bäh“ ist?

Ich bin ja mal neugierig, wie es à la longue meinen jüngeren Schwestern, den Social Media, so ergehen wird. Nicht, dass ich ihnen Schlechtes wünsche – etwa, dass auch ihnen so ein tragisches Schicksal beschert ist wie mir. Bewahre! Aber wie man so hört, gibt es auch da ein paar ungute Entwicklungen, mit denen sie Gefahr laufen, auf eine ähnlich schiefe Bahn zu geraten, wie ich.

Für den Moment habe ich genug, ehrlich. Ich gehe jetzt. Aber warte es mal ab – in absehbarer Zeit komme ich zurück. Wie Phoenix aus der Asche, in völlig neuem Gewand – aber eigentlich bin’s immer noch ich, Deine gute alte Akquise! Du darfst gespannt sein!

Über den Autor
Angelika Eder

Angelika Eder

Angelika Eder ist die Frau für die gute Kundenansprache. Aus schnöder Akquise wird bei ihr stets ein ‚akustischer Hingucker‘: Einfallsreich, niemals platt und respektvoll-hartnäckig. Entweder man (frau) traut es sich danach selbst zu oder legt die Direktansprache in ihre Hände. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung und Marktkenntnis findet sie mit Ihnen ‚Ihren‘ Platz im Trainer-, Berater- und Coach-Markt.

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