Gewohnheiten ändern: mit Köpfchen geht’s leichter

Angelika Eder Kaltakquise 3 Comments

Weshalb positive Bilder hilfreicher sind als Reiß-Dich-zusammen-Parolen

  • Wenn ansonsten disziplinierte Menschen es nicht schaffen, ihre Gewohnheiten zu ändern, steht meist ein Glaubenssatz im Weg oder es fehlt ihnen ein positives Bild.
  • Die Veränderung gelingt, wenn das Ziel zu einem inneren Auftrag geworden ist.

Liebe Gabriele,

vielen Dank für Deine Einladung zur Blogparade. Du hast nach schlechten Gewohnheiten gefragt und wie man sie los wird.

Ob ich so etwas kenne? Und wie! Meine Gedanken wandern in die 80er Jahre zurück. Damals brachte ich glatt 25 Kilo mehr auf die Waage als heute. Oder die Sache mit dem Rauchen … schlimm! Es hat Jahre gedauert, bis ich den Glimmstängel los geworden bin. Gewohnheiten sind halt einfach der beste Klebstoff! Wie es trotzdem geklappt hat? Hier zwei Beispiele aus dem prallen Leben:

Der Speck fiel, als ich frei dazu war

Übergewicht (und zwar nicht zu knapp) war bis in meine Twenty-somethings mein ständiger Begleiter gewesen. Ich kannte es nicht anders. Gelitten habe ich darunter immer – ohne einen Weg zu finden, dauerhaft damit fertig zu werden. Plötzlich, als eine verquere Beziehung zu Ende ging, fiel er förmlich von mir ab. Unversehens war nämlich eine Menge Energie übrig, die ich vorher für das Aufrechterhalten der Beziehung gebraucht hatte – und die musste ja irgendwo hin. Also, ab zum Sport, da konnte ich mich abreagieren.

Tief im Inneren hatte ich ja die ganze Zeit gewusst, dass in der dicken Angelika eine dünne steckte. Um sie aber ans Tageslicht zu befördern, brauchte es einen Anstoß von außen, eine außergewöhnliche Situation, die es mir ermöglichte, mich neu zu erfinden. Dazu gehörte in diesem Fall, den Gang zum Kühlschrank gegen den ins Fitnessstudio zu tauschen.

Als sich die passende Gelegenheit bot, habe ich mit den Rauchen aufgehört

Zugleich ähnlich und doch ganz anders war es mit dem Rauchen. Ich mochte das Rauchen und ehrlich gesagt, ist es bis heute so. Lange wusste ich einfach nicht, weshalb ich hätte aufhören sollen. Da kam mir erneut der „Zufall“ zu Hilfe: Ein Kunde brachte in den Beratungstermin eine E-Zigartette mit und schmauchte sie die ganze Zeit rauch- und geruchsfrei in meinem Zimmer. „Toll“, dachte ich, „das verbindet die angenehmen Seiten des Rauchens mit denen des Nichtrauchens.“

Sprachs’s, lief los und kaufte so ein Ding. Nachdem ich nach Herzenslust alle möglichen (und unmöglichen!) Raucharomen ausprobiert hatte und genügend Leute in rauchfreien Cafés und Restaurants mit meinem Theaterrauch erschreckt hatte, saß ich eines Tages auf meiner Terrasse und saugte versonnen an meinem „Glimmstängel“. Plötzlich fragte ich mich, was ich da eigentlich mache: Sitze da und nuckle an einem Aluröhrchen, das leuchtet und dampft??? Wie alt war ich eigentlich???

Da war’s vorbei: Ich packte das Ding in die Schublade und bis zum nächsten Großreinemachen lag es da. Dann war es ganz weg. Ich war rauchfrei und bin es bis heute. Und nur, damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sei wahrheitsgemäß erwähnt, dass mit dem Rauchen-Aufhören ein paar Kilo Speck den Weg zurück auf meine Hüften fanden. 😉

Einmal war es also eine erhebliche Ausnahmesituation, die mich auf den richtigen Weg gebracht hat und ein anderes Mal kam Gevatter Zufall ganz unbemerkt um die Ecke. Das Ergebnis war beide Male das Gleiche: Eine nennenswerte Verhaltensänderung hat sich etablieren können – gegen alle innere Widerstände und den Gewohnheitskleber.

Klar mit sich selbst: Dann klappt’s auch mit der Telefonakquise

Und die Quintessenz? Meistens fällt es nicht schwer, loszulaufen. Aber das Durchhalten ist schwierig. Mein Ziel erreiche ich dann, wenn ich zutiefst davon überzeugt bin und wenn der Auftrag, den ich mir gebe, mein eigener geworden ist. Dann lege ich schlechte Gewohnheiten ab und gute an.

Als Trainerlotse komme ich mit Gewohnheiten auf eine noch ganz andere Weise in Berührung. Wie oft bitten mich Kunden, sie auf dem Weg zur eigenen Telefonakquise zu begleiten. Bei ihnen sehe ich die gleichen Muster und Hindernisse wir bei mir:

  • Ein Klotz versperrt den Weg
    Der Telefonakquise stehen häufig Glaubenssätze im Weg. Eine Bekannte von mir ist felsenfest davon überzeugt, dass sie ihre Kunden mit ihren Anrufen stört. Sie würde erst telefonieren, wenn sie kurz vor dem Verhungern steht, sagt sie.
    Wenn es so ist, muss sie ihren Glaubenssatz ausräumen, oder sie braucht ein Ziel, das noch höher steht als das Nicht-Stören-Wollen, damit die Schranke fällt.
  • Kein positives Bild
    Manche Kunden wissen dagegen einfach „nur“ nicht, wie sie das Telefonieren angehen sollen. Ihnen fehlt das Knowhow. Dem abzuhelfen, ist einfach.
    Anderen fehlt der Eindruck davon, dass das Telefonieren Spaß machen kann. Sie brauchen ein positives Bild im Kopf, ein Role-Model. Ihnen hilft es, wenn sie mir beim Telefonieren zuhören und merken, dass es eine ganz ungezwungene Art gibt, am Telefon mit Kunden in Kontakt zu kommen.

Wenn es also mal keine besondere Konstellation in meinem Leben gibt, die mir beim Gewohnheiten ändern hilft, brauche ich andere ständige Begleiter in Form von Symbolen, Signalen oder Mantras … z.B. das türkise „Arsch hoch, Prinzessin!“-Armband von Dir, Gabi, das ich regelmäßig überstreife, um abends zum Sport zu gehen – anstatt zum Kühlschrank.

Über den Autor
Angelika Eder

Angelika Eder

Angelika Eder ist die Frau für die gute Kundenansprache. Aus schnöder Akquise wird bei ihr stets ein ‚akustischer Hingucker‘: Einfallsreich, niemals platt und respektvoll-hartnäckig. Entweder man (frau) traut es sich danach selbst zu oder legt die Direktansprache in ihre Hände. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung und Marktkenntnis findet sie mit Ihnen ‚Ihren‘ Platz im Trainer-, Berater- und Coach-Markt.

Kommentare 3

  1. Liebe Angelika,
    vielen Dank für Deinen Einblick in das Thema “Gewohnheiten”.
    Spannend finde ich auch Deinen Aspekt “Zufall”. Dazu wäre es interessant, ob in diesem Fall das Rauchen (aufhören) Dich nicht doch schon vorher in irgendeiner Form beschäftigt hat oder ob es einfach wirklich ein neuer Blickwinkel war, den Du noch nicht “gesehen” hattest. 🙂
    Und zum Thema Telefonakquise kann ich das mit dem hindernden Glaubenssatz voll bestätigen. Vielleicht sind es auch zwei. 😀
    Herzliche Grüße, Gabi
    PS: Das erwähnte Armband gibt’s hier http://arsch-hoch.de/gabigolling/bestellung-armband/

    1. Angelika Eder Post
      Author

      Hmmmm, liebe Gabi, berechtigte Frage, ich denke nach. Nein, eindeutig, das Saugen an dem Metallröhrchen war neu und einfach so kurios, dass es mir einen neuen Blick auf mein Verhalten ermöglichte. Rauchen ist irgendwie erwachsen war wohl der Glaubenssatz aus meiner Jugend in den 70ern. Damit hätte ich nie aufgehört – wie gesagt, ich war (bin?!) begeisterte Raucherin. An einer Metallröhre zu nuckeln war plötzlich aber das genau Gegenteil und es drängte sich mir der Vergleich mit dem frühkindlichen Schnuller auf. Und den wollte ich nun wahrlich nicht im Mund haben. ;-)) So kommt es, dass ich nach wie vor rauchfrei bin, obwohl ich den Rauch des berühmten ersten Zuges immer noch sehr gern rieche!

  2. Pingback: Blogparade - den Arsch hochkriegen | Arsch hoch, Prinzessin!

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