Telefonakquise – was ändert sich mit der DSGVO?

Angelika Eder Featured, Kaltakquise Leave a Comment

Der lange Schlagschatten der DSGVO

Aufgrund zahlreicher DSGVO-Gespräche mit unseren Kunden greifen wir im heutigen Blogartikel eine Frage auf, die uns im Zuge dieser Veränderung immer wieder gestellt wird:

„Wenn die DSGVO in Kraft tritt, darf ich dann überhaupt noch meine Kunden anrufen – und darf ich noch Kaltakquise machen?“

Eins haben wir gelernt: Mit Hausverstand kommt man bei Rechtsfragen nicht weiter und da wir keine Juristen sind, haben wir eine Anwältin gefragt, die es wissen muss: Daniela Hansmeier, ihres Zeichens die DSGVO-Expertin in der Kanzlei Hanseatic Legal. Das ist das Ergebnis der Befragung:

Werbung mit In-Kraft-Treten der DSGVO

Die Datenschutz-Grundverordnung wird ab dem 25. Mai 2018 verbindlich sein. Die bisherigen Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten für werbliche Zwecke entfallen.

Werbung nach Interessenabwägung

Die Grundlage für die Werbung nach der DSGVO kann zukünftig neben einer rechtsgültigen Einwilligung eine Interessenabwägung sein. Die Verarbeitung personenbezogener Daten zum Zwecke der Direktwerbung kann nämlich als eine einem berechtigten Interesse dienende Verarbeitung betrachtet werden.

Die vernünftige Erwägung der betroffenen Person die beworben wird, ist in die durchzuführende Interessenabwägung mit einzubeziehen. Informiert der Verantwortliche umfassend über eine vorgesehene werbliche Nutzung der Daten, so geht die Erwartung der betroffenen Person schließlich dahin, dass die Kundendaten zu Werbezwecken genutzt werden.

Grenzen des unlauteren Wettbewerbs

Die Grenzen des UWG bleiben neben der DSGVO erhalten. Die Nutzung der Kontaktdaten von Verbrauchern für Telefon- und Faxwerbung bedarf weiterhin einer vorherigen informativen, ausdrücklichen und eindeutigen Einwilligung.

Die Kontaktnutzung für E-Mail und SMS-Werbung ist wie bisher außerhalb einer Einwilligung nur bei der Eigenwerbung von Bestandskunden zulässig.

Informationspflichten

Unabhängig davon, ob ein Unternehmen die Werbemaßnahme auf die berechtigten Interessen oder auf eine Einwilligung stützt, hat es den Empfänger umfassend zu informieren, wobei die Inhalte sich bei den genannten Grundlagen unterscheiden.

Wenn wir das richtig interpretieren, darf man einen Kunden wie bisher anrufen, sofern mit seiner mutmaßlichen Einwilligung zu rechnen ist (vgl. UWG 7.2). Man darf ihm jedoch weder ungefragt E-Mail noch Fax schicken, aber das durfte man ohnehin auch vorher nicht. Wohl aber darf man ihn aufgrund eines vorausgesetzten Interesses telefonisch über die eigene Leistung informieren. Dafür braucht es natürlich auch personenbezogene Daten, in diesem Fall zum Beispiel Kontaktdaten wie die berufliche Telefonnummer.

Um sowohl dem UWG als auch der DSGVO gerecht zu werden, organisieren wir unsere Akquiseaktivitäten zukünftig folgendermaßen:

Wie schon immer haben wir uns im Vorwege einen triftigen Grund für den Erstkontakt per Telefon überlegt. Da wir ein vitales Interesse an der Vertiefung unserer Kundenbeziehungen haben, informieren wir unseren Gesprächspartner schon während dieser ersten Kontaktaufnahme über die Art und den Umfang der Verarbeitung seiner personenbezogenen Daten, die er uns zur Verfügung stellt, gemäß DSGVO und UWG. Dies zunächst mündlich, im Nachgang auch umfassend in schriftlicher Form per Mail oder Brief.

Nach intensiver Rücksprache mit unserem Rechtsbeistand fühlen wir uns auf diese Weise auf der sicheren Seite und warten ab, welche Veränderungen die eprivacy Verordnung, die im kommenden Jahr EU-weit erlassen werden soll, mit sich bringen wird.

PS: Auch wenn wir eine professionelle Meinung eingeholt haben, ersetzt dieser Artikel keine Rechtsberatung und ist lediglich als Anregung zu verstehen, sich sorgfältig mit dem Thema zu befassen, da das für Ihr Business relevant ist.

Über den Autor
Angelika Eder

Angelika Eder

Angelika Eder ist die Frau für die gute Kundenansprache. Aus schnöder Akquise wird bei ihr stets ein ‚akustischer Hingucker‘: Einfallsreich, niemals platt und respektvoll-hartnäckig. Entweder man (frau) traut es sich danach selbst zu oder legt die Direktansprache in ihre Hände. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung und Marktkenntnis findet sie mit Ihnen ‚Ihren‘ Platz im Trainer-, Berater- und Coach-Markt.

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