Trainer-Honorare: Einen vernünftigen Preis finden

Manfred Meyer Trainervermittlung, Vertrieb für Trainer/Coaches/Berater 2 Comments

Reden wir mal über Geld. Reden wir heute darüber, was Sie auf jeden Fall brauchen, damit Sie zurecht kommen. Wie Sie in den Bereich kommen, der Freude macht, darum kümmern wir uns das nächste Mal.

Beim Trainerlotsen bin ich für die Trainervermittlung zuständig. Unternehmen treten mit einem Weiterbildungsvorhaben an mich heran und meine Aufgabe ist es, passende Trainer zu suchen und vorzustellen.

So komme ich zu einer ganzen Reihe Vorgesprächen mit Trainern (und Coaches) und regelmäßig zur Honorarfrage. Ich bin oft erstaunt, wie unsicher die Weiterbildner darin sind, ihren Preis zu nennen. “Was kann man denn so nehmen?” gehört zu den beliebten Fragen. – “Ja, was brauchen Sie denn?” frage ich dann zurück.

650 Euro – viel oder wenig Geld?

Erfahrungsgemäß kalkulieren Trainer und Coaches viel zu knapp. Wer nach einem Anstellungsverhältnis mit vielleicht 2.600 Euro netto plötzlich 650 Euro am Tag realisiert, für den hört sich eine solche Summe großartig an. Viel Rechenkunst gehört aber nicht dazu, um zu begreifen, dass das viel zu wenig ist.

Einfach so zum Spaß können wir einmal annehmen, dass Sie 70.000 Euro Umsatz pro Jahr anstreben. Das ist einerseits viel Geld – andererseits müssen Sie eine ganze Menge Kosten tragen: Altersvorsorge, Krankenversicherung, Steuern, Rücklagen, technische Ausstattung, Fortbildung, Kundengewinnung, Betriebskosten für Ihr Büro und einiges andere mehr.

Aus zwölf Monaten werden acht

Gehen wir außerdem davon aus, dass Sie auch einmal Urlaub machen wollen. Vielleicht vier Wochen im Jahr. Dann bleiben Ihnen zum Geldverdienen noch 11 Monate.
Für Ihre eigene Weiterbildung kalkulieren Sie zwei Wochen. Vielleicht fallen Sie ein paar Tage wegen Krankheit aus oder Sie wollen sich um jemanden in der Familie kümmern. Sie rechnen ein bisschen herum und stellen fest: Da bleiben nur noch 10 Monate für den Umsatz!

Reden wir über Auftragsschwankungen. Unmittelbar um Ostern sowie in den Sommermonaten Juli/August ist das Geschäft für die meisten Trainer und Coaches ziemlich flau. Zum Jahresende stellt sich Dunkel-tuten ein: Spätestens ab dem 15. Dezember beginnt die Jahresendrallye, begleitet von zahlreichen Weihnachtsfeiern, die nahtlos in den Winterschlaf übergeht. So ab dem 15. Januar sind alle wieder da.

Schwuppdiwupp bleiben nur noch acht Monate für den Umsatz übrig. Wollen Sie die angestrebten 70.000 Euro wirklich haben – und das ist für einen Selbständigen nicht zu viel verlangt! – dann müssen es in diesen Monaten schon 8.000 bis 9.000 Euro sein.

Nicht vergessen: ein Tag Training = ein Tag Akquise

“Kein Problem”, höre ich Sie rufen. “Dann trainiere ich eben 13 oder 14 Tage.” Aber halt: Ein Trainingstag bedeutet fast immer einen Tag Vor- und Nacharbeit. Zudem müssen Sie Ihre Aufträge erst noch an Land ziehen – was ebenfalls viel Zeit in Anspruch nimmt. Manche behaupten, jeder Trainingstag zieht einen Tag für die Kundengewinnung nach sich. Wenn Sie von 21 Arbeitstagen pro Monat ausgehen, schaffen Sie also nicht mehr als durchschnittlich sieben Trainingstage.

So ist es kein Wunder, dass sich bei Trainern mit ein paar Jahren Berufserfahrung 1.200 Euro bis 1.400 Euro als Tagessatz eingependelt haben. Das kommt so in etwa hin. Die Daumenregel genießen Sie aber bitte mit äußerster Vorsicht, denn Ihre Kostenstruktur kenne ich nicht. Haben Sie vielleicht Kinder? Dann sieht die Welt womöglich ganz anders aus. Wirklich sicher ist nur die genaue Aufstellung der privaten und betrieblichen Kosten, die ich Ihnen hiermit sehr ans Herz legen möchte.

Ihre Honoraruntergrenze sollten Sie wirklich sicher kennen und nachts um drei Uhr nennen können, wenn man Sie aus dem Tiefschlaf reißt.

Über den Autor
Manfred Meyer

Manfred Meyer

Manfred Meyer kümmert sich beim Trainerlotsen um die Trainervermittlung. Darüber hinaus liegt die Projektsteuerung in seinen Händen. Die Themen Vertriebsstrategien, Kennzahlen, Technik und Weiterbildung 4.0 runden sein Portfolio ab. Der wirtschaftlich richtige und angemessene Preis ist sein Steckenpferd.

Kommentare 2

  1. Pingback: Honorar für Trainer & Coaches: Den optimalen Stundensatz bestimmen

  2. Danke. Gut geschrieben, und wichtig. Es ist leider so, dass sich viel zu wenige Trainer, Coaches und Berater mit Betriebswirtschaft auseinandersetzen und/oder gar auskennen. Dabei sind sowohl eine saubere Kalkulation als auch ein gut abgestimmtes Portfolio Grundlage für effektive Vertragsverhandlungen.
    Also bitte gern mehr davon 🙂

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