Übergabe für Trainer: Ernte einfahren, Nachfolge gestalten

Angelika Eder Vertriebsstrategie 2 Comments

Drei Modelle für die Geschäftsübergabe im Bildungsbusiness

  • Denken Sie rechtzeitig ans lustvolle Aufhören und planen den krönenden Abschluss Ihres Schaffens
  • Übergabeideen von ganz persönlich bis businessorientiert

Reden wir heute einmal über den krönenden Abschluss Ihrer Karriere als Trainer oder Coach. In letzter Zeit ist mir diese Situation in signifikanter Häufigkeit begegnet und ich darf sagen: Ihre Kollegen überraschen mich mit ihrer offenen Haltung in diesem „heiklen“ Thema.

Anders als traditionelle Unternehmer verbinden sie mit der Übergabe nicht etwa den Gedanken an Abschied und Loslassen. Im Gegenteil: Als echte Freidenker sehen sie in der Zeit nach der Selbstständigkeit eine neue Lebensphase mit eigenen Aufgaben und Zielen. Und so sehen sie in aller Regel mit Freude der Ernte entgegen. „Chapeau“, kann man da nur sagen!

Natürlich wünschen sich Trainer, dass ihr Werk weiterlebt und gedeiht. Doch welche Möglichkeiten haben sie? Nach meiner Erfahrung bieten sich für die Übergabe drei Varianten an, die ich Ihnen hier holzschnittartig präsentieren möchte:

Das Vater-Erben-Modell

Gemeint ist die Übergabe an einen Sohn oder eine Tochter im Geiste. Hier ist die Aufgabe, eine passende Person für die Nachfolge zu finden und sie fachlich wie im Hinblick auf die Kunden bestmöglich einzuführen. Bis die Bestandskunden das neue Gesicht kennen und akzeptieren, können schon einmal drei bis fünf Jahre vergehen.

Ich habe mir von einem Trainer erzählen lassen, der für seine Nachfolge sogar einen Flüchtling aufgenommen hat. Konzeptionell passte das sehr gut zu ihm: Vom Aufbau der Sprachkompetenzen über das Fachwissen bis hin zur Einführung bei den Kunden haben der Senior und sein Nachfolger eine wirklich weite Reise auf sich genommen! Ich erzähle diese Geschichte, um anzudeuten, dass zusammen mit der Übergabe eventuell Aufgaben auf den Trainer zukommen, an die er zuvor nicht gedacht hat. Nebenher sind sie oft nicht zu lösen.

Die Generationenentwicklung macht es nicht gerade leicht, einen Nachfolger zu finden: Der Pool möglicher Kandidaten wächst nicht in dem Masse wie gewohnt weiter. Deshalb ist es für den übergebenden Trainer wichtig, sich klarzumachen, was er der Nachwelt auf jeden Fall mitgeben will und wo er sich zurücknehmen kann. Denn auch das ist klar: Der oder die „Neue“ hat eigene Ziele und Ideen und möchte sie mit gleichem Recht in die Welt tragen.

Das Meister-Schüler-Modell

Wenn Sie in Ihrer Selbstständigkeit eine besondere Idee, Schule, ein Modell oder Konzept entwickelt haben, bietet es sich an, Ihre Idee an eine mehrköpfige Gruppe von Nachfolgern zu übergeben. Die Verantwortung verteilt sich auf mehrere Schultern und zugleich hat Ihr Konzept beste Chancen, größere Kreise zu ziehen. Eine ausgesprochen reizvolle Idee!

Sehr elegant finde ich das Übergabekonzept eines Trainer-Duos in meiner Umgebung: Sie schreiben ein Buch und lassen darin ihre Nachfolger zu Wort kommen. Ganz uneigennützig ist die freundliche Geste natürlich nicht. Üblicherweise profitieren die übergebenden Trainer vom wirtschaftlichen Erfolg ihrer Nachfolger und erhalten Zahlungen, die sich im weitesten Sinne mit Leibrente beschreiben lassen. Deshalb teilen sich die Übergebenden und die Nachfolger das Interesse an einem geglückten Übergang.

Franchise oder Lizenzvergabe

Trainer, die ein solches Modell oder Konzept mitbringen und zusätzlich Wert auf ein relativ schnell zu kalkulierendes passives Einkommen legen, profitieren womöglich am meisten von einem Franchise- oder Lizenz-Modell. Sicher ist es die businessorientierteste Variante: Der Trainer stellt Know-how, Marke und die angemessene Marketingunterstützung zur Verfügung und erhält im Gegenzug z. B. einen Anteil pro verkaufter Einheit. Die Rahmenbedingungen solcher Modelle fallen im Einzelfall sehr unterschiedlich aus. Für jede Partnerschaft lässt sich jedoch eine passende verabreden.

Sie sehen: Entlang der Linie „ganz persönlich“ bis „vollständig businessorientiert“ gibt es eine ganze Reihe denkbarer Varianten. Welche ist die Ihre?

Wofür auch immer Sie sich entscheiden: Hauptsache, Sie lassen sich rechtzeitig auf den Gedanken ans lustvolle Aufhören ein und setzen Ihrer erfolgreichen Laufbahn genau den Lorbeerkranz auf, der ihr zusteht.

Ich freue mich über eine Nachricht von Ihnen und auch wenn Sie für sich selbst einen Kontakt suchen, schreiben Sie doch einmal.

Über den Autor
Angelika Eder

Angelika Eder

Angelika Eder ist die Frau für die gute Kundenansprache. Aus schnöder Akquise wird bei ihr stets ein ‚akustischer Hingucker‘: Einfallsreich, niemals platt und respektvoll-hartnäckig. Entweder man (frau) traut es sich danach selbst zu oder legt die Direktansprache in ihre Hände. Mit ihrer über 20-jährigen Erfahrung und Marktkenntnis findet sie mit Ihnen ‚Ihren‘ Platz im Trainer-, Berater- und Coach-Markt.

Kommentare 2

  1. Der Beitrag ist sehr interessant und lädt zum nachdenken ein. Ich bin im Angestelltenverhältnis und leite einen Trainingsbereich. Auch mir ist wichtig, dass sich auf dem, was ich mit aufgebaut habe, neues entwickelt und gutes weiter lebt. Kennt ihr auch hierzu vielleicht passende Literatur?

    1. Angelika Eder Post
      Author

      Guten Morgen, Herr Brünjes! Schön, dass Ihnen der Beitrag etwas bringt. Ja, auch im Angestelltenverhältnis will man ja so etwas wie ein Vermächtnis hinterlassen – zumal jemand wie Sie, quasi ein ‘Urgestein’. Zugegeben, explizite Literatur darüber haben wir bei der Recherche nicht entdecken können. Der Großteil der Literatur befasst sich mit der Nachfolge im Mittelstand bzw. in Familienunternehmen – ein in Deutschland ausgesprochenes drängendes Problem, wie wir wissen. Daher die Buchflut, siehe auch http://www.perwiss.de/buecher-zu-nachfolgeplanung.html. Für Ihre spezielle Fragestellung würde ich wohl eher einen anderen Suchbegriff wählen, z. B. ‘Wissensmanagement & Demografieentwicklung’ o.ä. Womöglich würde das eher die von Ihnen gewünschten Ergebnisse liefern. Beim Ausprobieren habe ich – jenseits zahlreicher anderer Ergebnisse – zumindest einen Fachartikel bei Focus Money online gefunden: http://www.focus.de/finanzen/karriere/perspektiven/demografischer_wandel/wissensmanagement_aid_57309.html. Hilft Ihnen das weiter?

      Es grüßt herzlich aus Hamburg
      Angelika Eder

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